Die Ernährungsexpertin und frühere Topathletin Dr. Claudia Osterkamp-Baerens erklärt, wie Dosengemüse Spitzensportlern Beine macht.

von Alexander Nebe

 

Ernährungspläne von Hochleistungssportlern sind eine Wissenschaft für sich. Besonders in intensiven Trainingsphasen müssen dem Körper individuell angepasste Mengen von Proteinen, Fetten und Kohlenhydraten, aber auch Vitaminen und Nährstoffen zugeführt werden. Es gilt, Regenerationsprozesse optimal zu unterstützen und die Energiespeicher möglichst schnell wieder aufzufüllen. Und das in ganz bestimmten Zeitfenstern. Insbesondere für Athleten, die noch studieren oder die Schulbank drücken, stellt das oft eine Herausforderung dar. Zwischen Lernen und Trainieren auch noch Kochen? Da fällt vor allem frisches Gemüse, das in der Zubereitung oft zeitaufwendig ist, vom Teller …

Wie gut, dass es Gemüse in Dosen gibt! Auch jugendliche Sportler mit geringen Kochkenntnissen haben deshalb eigentlich keine Ausrede mehr für das Fehlen einer Gemüsebeilage – auch wenn die Zeit noch so knapp ist. Was zu beachten ist, wenn man den Ernährungsplan mit Dosengemüse ergänzt, und warum gerade an Wettkampftagen auch Obst aus der Dose eine gute Idee sein kann, erklärt Diplom-Ernährungswissenschaftlerin Dr. Claudia Osterkamp-Baerens. Die frühere Hochleistungsschwimmerin, die Mitglied der Nationalmannschaft des Deutschen Schwimm-Verbandes war, ist Vorsitzende der AG Ernährungsberatung an den Olympiastützpunkten und hat schon viele Spitzensportler beraten. Zudem gründete sie 2007 in München das Beratungsbüro „topathlEAT“.

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© Kerstin Oberdörfer

Welches Dosengemüse nnen Sie als unterstützende Koponente für einen vollwertigen Ernährungsplan empfehlen?

Eigentlich alle Sorten, die es auf dem Markt gibt, vor allem wenn es sich um das pure Gemüse handelt. Sauerkraut, Tomaten, Grünkohl, Mais, dicke Bohnen, Erbsen und grüne Bohnen sind auf jeden Fall dabei. Letztere gehören ja zudem zu den Sorten, die recht aufwendig in der Zubereitung sind, wenn sie frisch gekauft werden.

Das Image von Dosengemüse ist generell allerdings eher ausbauhig

Das stimmt. Aber ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum sich viele so schwer damit tun. Dosengemüse ist im Grunde nichts anderes als eingemachtes Gemüse. Und das hat eine hunderte von Jahren alte Tradition. Auch meine Großeltern haben die leckeren Dinge, die sie in ihrem Garten geerntet haben, in Gläsern eingekocht. Und als Verpackungseinheit ist die Dose ja sogar noch praktischer. Sie kann nicht zerbrechen und schützt den Inhalt nicht nur vor Luft, sondern auch vor Licht.

Einmachen konserviert das Gemüse der Kochprozess hat aber natürlich auch Nachteile.

Wenn man Lebensmittel haltbar machen möchte,  muss  man immer Kompromisse machen. Beim Dosengemüse  haben wir leider den Nachteil, dass Vitamin C durch die Hitzeeinwirkung stark reduziert wird. Aber das passiert ja auch, wenn wir uns frisches Gemüse selbst zum Essen kochen. Ehrlich gesagt kommt es auch gar nicht so darauf an, akribisch Vitaminanteile zu zählen.

Was genau meinen Sie damit?

Wir sind in Deutschland so rundum perfekt versorgt, da kommt man bei einer halbwegs bewussten Ernährung eigentlich immer auf eine ausreichende Vitaminzufuhr. Wichtig ist doch, wie hoch der Gesundheitswert insgesamt ist: Gemüse enthält zum Beispiel auch Mineral- und sekundäre Pflanzenstoffe, die nicht so hitzeempfindlich sind wie Vitamine und daher im Dosengemüse gut erhalten bleiben. Dazu hat es einen hohen Gehalt an Ballaststoffen und Wasser und ist superenergiearm – in Zeiten, in denen viele mit Übergewicht kämpfen, ein nicht zu unterschätzender Aspekt. Außerdem: Wie oft haben mir Spitzenathleten, die ich betreue, oder andere Klienten erzählt, dass ihnen einfach Zeit und Möglichkeiten fehlen, sich frisches Gemüse zu kaufen, es zu putzen und zuzubereiten. Stattdessen schieben sie sich abends dann eine Tiefkühlpizza in den Ofen. Das ist aus meiner Sicht die denkbar schlechteste Alternative.

Aber frisches Gemüse muss schon auch sein, oder?

Genau, denn der Mensch braucht die Sortenvielfalt. Da unterm Strich nur wenige Gemüsesorten fürs Einmachen geeignet sind, muss schon regelmäßig auch Frischgemüse zubereitet werden. Wem seine Ernährung und sein Körper am Herzen liegen, sollte sich zumindest am Wochenende dafür Zeit nehmen. Und wegen der hitzeempfindlichen Inhaltsstoffe im Gemüse sollte täglich auch wenigstens eine Handvoll Rohkost wie Salat, Gurke, Paprika oder Ähnliches auf dem Programm stehen.

Setzen Sie zu bestimmten Zeiten den Athleten auch mal Dosenobst auf den Ernährungsplan?

Das kommt immer wieder mal vor. Denn Dosenobst hat den großen Vorteil, dass es viel leichter verdaulich ist als frisches Obst. Daher ist es eine Superergänzung beim Frühstück vor dem Wettkampf oder Frühtraining. Viele Sportler müssen schon um 6:00 Uhr morgens auf der Matte stehen. Das klassische Frühstück mit frischem Obst, Vollkornbrötchen und Co ist da schwierig, weil es eine relativ lange Verdauungszeit hat. Da müsste man dann schon um 3:30 Uhr frühstücken. Das ist keine Alternative.

Mit vollem Bauch trainiert es sich schlecht?

Genau! Deshalb empfehle ich den Sportlern in diesen Fällen einen Frühstückshaferbrei aus dem Reformhaus, den man mit heißem Wasser übergießt, und dann wird das Ganze mit Pfirsichen, Mandarinen oder Mangos aus der Dose aufgepeppt. Das ist wunderbar leicht verdaulich  und liefert auch in einer kleinen Menge viel Energie. Allerdings achte ich darauf, dass Produkte mit geringem Zuckerzusatz eingesetzt werden und im Wochenschnitt trotzdem zwei Portionen Frischobst täglich verzehrt werden. Das ist in der Praxis auch kein Problem. Denn frisches Obst in Form einer Banane oder eines Apfels zu essen, ist eigentlich für jeden zu organisieren.

Hat in der Vergangenheit einer von den Hochleistungsportlern, denen Sie Dosengemüse und ­-obst auf den Ernährungsplan gesetzt haben, auch mal eine Olympiamedaille gewonnen?

Na klar. Nicht nur einer. Warum auch nicht? Ich kann es nur noch einmal wiederholen: Dieses Gemüse ist viel besser als sein Ruf!

 

Mehr Informationen unter:
www.topathleat.de

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© Kerstin Oberdörfer