Mehr als 270 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle schwimmen bereits heute weltweit auf den Ozeanen. Ein Grossteil davon: Verpackungen aus Plastik, die nach nur einmaliger Benutzung einfach weggeworfen werden. Den Einsatz nachhaltiger Verpackungsstoffe stark voranzutreiben, ist deshalb eine der grössten Herausforderungen für die Zukunft. Ein Umschwenken auf nachhaltige Packmittel ist wichtiger denn je: Auf Kreislaufwirtschaftsfähige Verpackungen wie die Lebensmitteldose…

von Alexander Nebe

 

Etwa zwei Drittel unseres Planeten sind mit Wasser bedeckt. In der Tiefe der Ozeane entwickelte sich erstes Leben. Über einen Zeitraum von Milliarden von Jahren. Auch heute sind die Weltmeere das größte Ökosystem überhaupt. Ein ebenso artenreicher wie faszinierender Lebensraum, der seit Jahren zunehmend bedroht wird. Zum einen durch die Überfischung und den Klimawandel, zum anderen durch die immer stärker anwachsende globale Müllverschmutzung. Mehr als 270 Millionen Tonnen Plastikabfall schwimmen laut Experten-Schätzung bereits auf den Ozeanen oder sind auf den Meeresgrund gesunken. Und jedes Jahr kommen rund acht Millionen Tonnen dazu. Müll, der zu 80 Prozent über Flüsse und zu 20 Prozent von Schiffen und Bohrplattformen in die Meere gelangt. Wie viel Abfall sich insgesamt dort befindet? Das kann niemand genau beziffern. Inzwischen gibt es weltweit fünf sogenannte Plastikmüllstrudel. Gigantische fließende Teppiche, bestehend aus Plastikflaschen und -tüten, Kunststoffnetzen, Kanistern, Zahnbürsten oder Einwegrasierern. Der größte – zwischen dem US-Festland, Hawaii und Asien gelegene – Strudel mit dem Namen „Great Pacific Garbage Patch“ ist mittlerweile viermal so groß wie Deutschland. Laut seines Entdeckers, dem Ozeanografen Charles Moore, bestehe er aufgrund seiner fortwährenden Verdichtung inzwischen aus so festen Bereichen, dass man theoretisch sogar auf ihnen laufen könnte …

 

„Wenn wir nicht die Art und Weise ändern, wie wir Kunststoffe herstellen und verwenden, wird 2050 in unseren Ozeanen mehr Plastik schwimmen als Fische“

 

„Weil ungefähr die Hälfte des Plastiks in unserem Müll sehr leicht ist, transportiert die Meeresströmung den Abfall über weite Strecken. Vor allem Plastikschnüre und verlorene Fischernetze bilden dabei für die Tierwelt eine große Gefahr. Fische, Vögel oder Delfine verfangen sich darin und sterben. Muscheln und viele andere Tiere nehmen zudem Mikroplastik auf, das sich in Organen anreichern kann und so früher oder später in die menschliche Nahrungskette gelangt“, sagt Tiefseeforscherin Dr. Melanie Bergmann. Einer Langzeitstudie zufolge befinden sich in den Ozeanen inzwischen mindestens 5,5 Billionen Plastikteilchen. Ein Großteil davon ist das bereits erwähnte Mikroplastik: Partikel, die kleiner als fünf Millimeter sind. Die Folgen für Natur und Mensch könnten dramatisch ausfallen, sollte nicht endlich gegengesteuert werden. „Wenn wir nicht die Art und Weise ändern, wie wir Kunststoffe herstellen und verwenden, wird 2050 in unseren Ozeanen mehr Plastik schwimmen als Fische“, bringt Frans Timmermans, Erster Vizepräsident der EU-Kommission, die Brisanz des Themas auf den Punkt. Kunststoffabfälle sollen deshalb spürbar reduziert werden, indem man sie zukünftig verstärkt recycelt und wiederverwendet. Ab 2030 sollen zum Beispiel alle Kunststoffverpackungen auf dem EU-Markt recyclingfähig sein. Doch bis 2030 sind es noch zwölf Jahre. Und bis alle recyclingfähigen Kunststoffverpackungen auch tatsächlich gesammelt und dem Recycling zugeführt werden, ist es noch ein viel längerer Weg. Allerdings gibt es Verpackungsalternativen wie die Lebensmitteldose, die die Recyclingziele der Kommission bereits heute perfekt unterstützen.

 

Plastikmüll im Wasser

© Getty Images

Dosen aus Weißblech sind nicht nur ein leistungsstarkes Packmittel. Sie sind auch ein Musterbeispiel für echte Kreislaufwirtschaft, da sich das Material, aus dem sie gefertigt werden, immer wieder recyceln lässt. Die Voraussetzungen dafür liefert Eisen, der Ausgangsstoff für Weißblech. Eisen ist ein Element und daher nicht zerstörbar. Je nach Einsatz wechselt es lediglich Ort und Gestalt. So kann aus einer Lebensmitteldose zum Beispiel ein Fahrrad, ein Auto oder eine Schiffsschraube werden – oder auch wieder eine Dose. Und was immer wieder recycelt und neu verwendet werden kann, wird auch nicht mehr allzu sorglos in der Umwelt entsorgt und landet somit nicht mehr so häufig in Flüssen und Weltmeeren. Den Beweis dafür liefern die Recyclingraten von Verpackungsstahl. Sie liegen zum Beispiel in Deutschland seit Jahrzehnten konstant bei mehr als 90 Prozent. Das heißt, dass neun von zehn Dosen unmittelbar nach ihrem Gebrauch wieder recycelt werden und für neue Produkte zur Verfügung stehen. Das ist Kreislaufwirtschaft in Höchstform, die in Deutschland und Europa im Rahmen von gesetzgeberischen Maßnahmen wie dem Verpackungsgesetz und dem EU-Kreislaufwirtschaftspaket honoriert wird.

 

Doch nicht nur Europa hat sich den Kampf gegen die Vermüllung der Meere auf die Fahnen geschrieben. Inzwischen wacht auch die Weltgemeinschaft langsam auf. So erklärten zum Abschluss der ersten UN-Ozeankonferenz in New York im Juni 2017 alle 193 Mitgliedsstaaten, dass sie die Weltmeere fortan „konservieren und nachhaltig nutzen“ wollen. Ein erster Anfang. Immerhin. Für viele Umweltaktivisten allerdings nicht viel mehr als eine unverbindliche Absichtserklärung. Sie sind der festen Überzeugung, dass nicht noch mehr Zeit verstreichen darf. Es sind junge, engagierte Menschen wie zum Beispiel Boyan Slat. Gemeinsam mit seinem „The Ocean Cleanup“-Team steht der 23-jährige Niederländer kurz davor, die, wie er selbst sagt, „größte Aufräumaktion der Geschichte“ zu starten. Innerhalb von fünf Jahren will die Initiative die Hälfte des Kunststoffmülls im Nordpazifik-Strudel eingesammelt und abtransportiert haben. Mit einer Flotte von bis zu 50 schwimmenden Barrieren. 30 Millionen Dollar kamen für das historische Projekt per Spenden und Fördermittel zusammen. Der Startschuss für die Mammut-Mission soll in diesem Frühsommer fallen. Auch die beiden US-Surfer Andrew Cooper und Alex Schulze sind seit Januar 2017 im Kampf gegen die Verschmutzung der Weltmeere erfolgreich aktiv. Mit ihrer Organisation „4Ocean“ sammeln sie zusammen mit ihrem stetig wachsenden Team Abfall, der an Stränden liegen bleibt oder im Wasser treibt. Finanziert werden die Einsätze durch den Verkauf von Armbändern aus Recyclingmaterialien. Inzwischen können die Männer sogar mehrere Boote und Kapitäne bezahlen, die auf der ganzen Welt Müll aus den Meeren sammeln.

 

Projekte, die grundsätzlich optimistisch stimmen – die aber auch durchaus kritisch gesehen werden. „Durch diese Aktionen wird der Müll nur an der Oberfläche eingesammelt und nicht am Meeresgrund, wo sich der meiste Abfall befindet“, sagt Forscherin Dr. Melanie Bergmann. Zudem schüren diese Bemühungen falsche Hoffnungen. „Sie lenken davon ab, dass wir unseren Konsum und unser Verhalten ändern müssen.“ Das Denken und Leben in Kreisläufen ist dabei ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung – gerne mithilfe der Lebensmitteldose.

 

 

Mehr über „THE OCEAN CLEANUP“:

www.theoceancleanup.com

Mehr über die „4Ocean“:

www.4ocean.com