Bohnen, Tomaten, Pfirsiche oder auch Ravioli. Es sind häufig die klassischen Produkte, für die Lebensmitteldosen seit Jahrzehnten stehen. Dabei kann man durchaus auch Füllgüter aus der Kategorie „extravagant“ in ihnen finden. Zum Beispiel verrotteten Hering, eine schwedische Delikatesse. Oder die Dose dient als Frische-Tresor für einen Inhalt, der mittlerweile auf der ganzen Welt für Furore sorgt…

Von Alexander Nebe

 

Besonders Hartgesottene stellten sich bereits in der Nacht an, um garantiert zu den ersten Käufern zu gehören. Fast überall in Kalifornien das gleiche Bild: Menschenschlangen vor den Läden – lange bevor diese öffneten. Das Objekt der Begierde war aber keinesfalls die neueste Generation von Smartphones, sondern eine der ältesten Nutzpflanzen der Welt: Cannabis. Seit der Freigabe als reines Genussmittel in Kalifornien am 1. Januar 2018 erfährt die Welt einen regelrechten Hanf-Boom. Mittlerweile kann Cannabis in 33 US-Bundesstaaten legal gekauft werden, in den meisten Fällen jedoch nur aus medizinischen Gründen. Doch auch der Freizeit-Genuss wird gesellschaftsfähiger: So erlauben neben Kalifornien mittlerweile neun weitere Bundesstaaten und der District of Columbia Marihuana als reines Genussmittel.

Entwicklungen, die bereits erahnen lassen, wie sich das Image der grasgrünen Pflanze in Zukunft verändern könnte: von der Hippie-Droge zum Lifestyle- Objekt. Schon jetzt wird der Markt stetig mit neuen Hanf-Produkten geflutet – vom Hundefutter über Feuchtigkeitscreme bis hin zum Hanf-Pullover. Und auch in Sachen Ernährung macht Cannabis von sich reden. So wird Speise – hanf als das neue Superfood gehandelt. In Form von Hanf-Samen veredelt es Brote, Salate und Müslis oder landet beim Kochen als Öl in der Pfanne. Laut der US-amerikanischen National Restaurant Association sind cannabis- basierte Getränke auf Platz eins der Top-Trends für 2019, dicht gefolgt von cannabisbasierten Lebensmitteln. Vor kurzem machte die amerikanische Fastfoodkette By Chloe mit Cannabis-Pudding Schlagzeilen und Coca-Cola soll Gerüchten zufolge an einer Hanf- Brause arbeiten. Ob als Lifestyle-Produkt oder Medikament: Cannabis ist ein Wachstumsmarkt, von dem sich Unternehmen weltweit Milliardenumsätze versprechen. Allein für Kanada prognostiziert Deloitte für 2019 einen Gesamtumsatz von 7,17 Milliarden US-Dollar. Mittlerweile reagieren sogar Hochschulen auf den Trend und nehmen die Cannabis- Produktion in ihre Seminarpläne auf, darunter beispielsweise das kanadische Niagara College. Ziel ist es, Fachkräfte auszubilden, die sich mit dem Anbau, dem Vertrieb, der medizinischen Wirksamkeit und der Erforschung der Pflanze beschäftigen.

Anthony Franciosi aus Colorado hat das Marktpotenzial von Cannabis schon frühzeitig erkannt und 2014 die „Honest Marijuana Company“ gegründet. Im Januar desselben Jahres nahm Colorado eine Vorreiterrolle ein: als erster US- Bundesstaat, in dem man die Zutaten für einen Joint ganz legal erwerben und ihn auch legal konsumieren durfte. Das Besondere an Honest Marijuana: Die Firma möchte nur das hoch wertigste Cannabis produzieren und setzt deshalb auf einen biologisch-nachhaltigen Anbau. Pestizide & Co. sind tabu. Damit schließt Honest Marijuana eine Marktlücke. Denn wer bereits bei der eigenen Ernährung auf Bioprodukte und beste Qualität achtet, der hat keine Lust auf einen Joint, der mit Schadstoffen belastet ist. „Wir möchten in den kommenden Jahren als Gucci des Cannabis- Anbaus gelten – und nicht als Walmart“, kommentiert Franciosi die Firmenphilosophie, ganz bewusst Qualität vor Quantität zu stellen. Auch beim Anbau setzt der gelernte Landwirt auf die neueste umweltfreundliche Technik. Das fängt beim extrem sparsamen Bewässerungssystem an und hört bei einer effizienten künstlichen Pflanzenzuchtbeleuchtung auf. Nachhaltigkeit ist für Anthony Franciosi generell ein sehr wichtiges Thema. Und deshalb setzt er auch auf die entsprechende Verpackung.

„Ich arbeite 70 Stunden, sechs Tage die Woche, um die bestmögliche Qualität zu erzeugen. Und die kann ich meinen Kunden doch nicht ernsthaft in einem Plastikbeutel verkaufen“, sagt der 26-Jährige. Doch wie gelangt das Kraut auf die umweltfreundlichste Weise zum Kunden und wie kann man gleichzeitig auch noch ein sinnliches Verpackungserlebnis bieten? Die Antwort darauf war schnell gefunden: mit der Dose. „Sie überzeugt nicht nur mit einer extrem hohen Recycling-Quote – Weißblech zählt zudem zu den weltweit leichtesten und kosteneffizientesten Materialien. Deshalb passt diese Verpackung perfekt in unser nachhaltiges Konzept“, sagt Franciosi. Ein weiterer Vorteil: In einer ungeöffneten Dose bleibt das Cannabis mindestens ein Jahr frisch. Das Geschäft läuft gut. Die Kunden lieben sein Bio-Marihuana. Doch wird er nicht immer wieder mal schräg angeschaut, wenn er erzählt, womit er sein Geld verdient? „Natürlich kommt das immer wieder vor. Manche beschimpfen mich sogar dafür. Denn viele sehen in Cannabis immer noch eine Einstiegsdroge, die zwangsläufig zum Konsum von härteren Sachen führt. Und generell kann ich das sogar verstehen, da die meisten Menschen sich eben nicht näher mit dem Thema befassen“, sagt Franciosi, der als Teenager nach einem Sportunfall mit Knochenbrüchen medizinisches Cannabis vom Arzt verschrieben bekam. „Doch seit der Gründung meiner Firma vor vier Jahren stelle ich auch fest, dass die Menschen immer entspannter reagieren.“ Das bestätigt auch die jüngste Gallup-Umfrage. Seit 50 Jahren befragt das Marktforschungsunternehmen die US-Bürger zu ihrer Haltung gegenüber Cannabis. Im vergangenen Jahr gab es so viele Befürworter wie nie zuvor: Zwei Drittel der Bevölkerung sind mittlerweile für eine Legalisierung. Zum Vergleich: 1969 waren es gerade mal zwölf Prozent und bis Ende der 1990er Jahre knapp ein Viertel. Seitdem ist die Zahl der Befürworter kontinuierlich gestiegen – und das über alle Parteien hinweg. Selbst die konserva tiven Republikaner stimmen zum ersten Mal mehrheitlich (53 Prozent) für eine Legalisierung von Marihuana. Bei den Demokraten sind es sogar 75 Prozent, bei den Unabhängigen 71 Prozent.

 

Mehr über Honest Marijuana:

www.honestmarijuana.com