Das Magazin der
Initiative Lebensmitteldose

Vegan trifft Dose

von Alexander Nebe
Das Produkt in der Dose sieht so lecker-verführerisch aus wie Thunfisch, hat die gleiche Textur und kommt auch dem Geschmack sehr nahe. Aber es ist kein Thunfisch! Bei dieser Variante stammt die beliebte Zutat für Sandwiches oder Salate nicht aus dem Meer – sie ist zu 100 Prozent pflanzlich. Produziert wird das Thunfisch-Imitat namens TUNO aus gentechnisch unveränderten Eiweißquellen mit pflanzlichem Ursprung. Heißt in diesem Fall konkret: Das Protein wird hauptsächlich aus Algen gewonnen, die auch für den typischen Meeresgeschmack sorgen.

Die pflanzliche Fisch-Alternative ist eine von diversen Produktneuentwicklungen des US-Unternehmens Atlantic Natural Foods. Dieses hat vor fünf Jahren die Marke Loma Linda übernommen, die 1933 im gleichnamigen kalifornischen Städtchen gegründet worden war und zu den Pionieren der veganen Ernährungsszene Nordamerikas zählt. Seitdem baut Atlantic Natural Foods den Erfolg der Marke dank innovativer Kreationen immer weiter aus und treibt inzwischen auch die Eroberung neuer Märkte voran. Heute sind Loma-Linda- Produkte bereits in 19 Ländern weltweit zu haben.

Auch ein urtypisch amerikanischer Imbiss-Snack wie Sloppy Joe – eigentlich eine grobe Hackfleischmasse im Brötchen – ist bei Loma Linda als vegane Variante erhältlich. Ebenfalls im Angebot: Würstchen, Bolognese-Saucen, aber auch Jakobsmuscheln aus der Dose oder Thai-Curry – alles absolut fleischfrei, versteht sich. „Vor allem in den vergangenen fünf Jahren ist die Nachfrage nach Fleisch- und Fisch-Alternativen sprunghaft angestiegen, da sich das Bewusstsein für nachhaltige Ernährung, Tierwohl und Umweltschutz auch in den USA spürbar ausgeprägt hat“, sagt Declan Murphy, Marketing- Direktor bei Atlantic Natural Foods.
„VOR ALLEM IN DEN VERGANGENEN FÜNF JAHREN IST DIE NACHFRAGE NACH FLEISCH- UND FISCH-ALTERNATIVEN SPRUNGHAFT ANGESTIEGEN.“
„Zudem hat sich die generelle Akzeptanz gegenüber vegetarischen und veganen Produkten bei den US-Konsumenten deutlich verbessert – besonders bei jüngeren Leuten unter 30 Jahren. Sie achten vor allem in den US-Metropolen verstärkt darauf, den eigenen Fleischkonsum einzuschränken, und greifen auf Plant-based Produkte zurück“, sagt Declan Murphy.

Das Unternehmen liegt mit seinem Produkt-Portfolio voll im Trend. Denn laut einer Erhebung der Unternehmensberatung A. T. Kearney1, für die weltweit Unternehmen und Experten befragt wurden, steht die Fleischbranche in den kommenden Jahren vor einem großen Umbruch. Die Studie besagt, dass der Anteil von Fleischersatz aus Pflanzen, aber auch von Fleisch aus Zellkulturen überdurchschnittlich stark wachsen wird – bis zum Jahr 2030 bereits auf 28 Prozent des gesamten Marktes. Das würde einen Umsatz von mehr als 400 Milliarden Dollar bedeuten. Und für 2040 sagen die Prognosen für die Fleischalternativen sogar einen Anteil von rund 60 Prozent voraus.

Wenig verwunderlich also, dass längst andere Unternehmen den Trend für sich erkannt haben und ihr Sortiment entsprechend upgraden. So zum Beispiel auch die legendäre US-Suppenmarke Campbell’s, die 2018 unter dem Namen „Well Yes“ erfolgreich eine eigene Linie mit vegetarischen Suppen auf den Markt gebracht hat. Zwei davon – die Bohnen- und die Gemüsesuppe – sind sogar rein vegan. Die 1975 in Großbritannien gegründete Firma Wholefoods hat sich ebenso wie Loma Linda sogar komplett auf Plant-based Food spezialisiert und bietet in ihrem Portfolio unter anderem eine Auswahl von 28 vegetarischen und veganen Dosensuppen an.
„WIR SEHEN EIN GROSSES POTENZIAL, DA UNSERE KUNDINNEN UND KUNDEN IN LETZTER ZEIT VERMEHRT DIESE PRODUKTE NACHGEFRAGT HABEN.“
Aber auch in Deutschland ist die Entwicklung hin zu einer fleischfreien oder zumindest fleischarmen Ernährung unübersehbar: So wächst der Umsatz mit vegetarischen und veganen Lebensmitteln laut Statista2 seit Jahren kontinuierlich: Waren es 2017 „nur“ 736 Millionen, spülte die steigende Nachfrage 2019 bereits mehr als 1,2 Milliarden Euro in die Kassen. Die „Fridays for Future“-Bewegung, die auch für den Wandel zu einer ressourcenschonenden und generell nachhaltiger lebenden Gesellschaft kämpft, hat für eine weitere Sensibilisierung unter den deutschen Verbrauchern gesorgt. Pflanzliche Alternativen zu Fisch, Fleisch und Wurst sind 2020 endgültig im Massenmarkt angekommen. Hauptgründe: Sie schmecken lecker, tragen zur gesunden Ernährung bei und lassen sich bequem zubereiten. Da die Zeit zum Selbstkochen oft fehlt, steigt auch in diesem Segment die Nachfrage nach hochwertigen Convenience- Produkten kontinuierlich.

Ein gutes Beispiel ist Alnatura: Das Sortiment pflanzlicher Fertiggerichte in Dosen entwickelt sich sehr erfolgreich: „Wir sehen ein großes Potenzial, da unsere Kundinnen und Kunden in letzter Zeit vermehrt diese Produkte nachgefragt haben“, sagt Alnatura-Pressesprecherin Miriam Szygula. Aktuell führt das Unternehmen für Bio-Lebensmittel vier vegane bzw. vegetarische Dosenfertiggerichte im Sortiment, unter anderem Gemüse-Ravioli und Kichererbsen-Topf. Eine Erweiterung des Angebots ist bereits in Arbeit.
„PFLANZLICHE ALTERNATIVEN ZU FISCH, FLEISCH UND WURST SIND 2020 ENDGÜLTIG IM MASSENMARKT ANGEKOMMEN.“
Vegan Leben profitiert ebenfalls von dem Ernährungstrend: „Insgesamt erfreut sich unsere Marke wachsender Beliebtheit und liegt deutlich zweistellig über dem Vorjahr“, sagt Simon Parbs, Einkäufer beim Kieler Großhandelsunternehmen Bartels- Langness, über die Eigenmarke. Laut Parbs sei die Entwicklung zu beobachten, dass Kunden mit Blick auf Herkunft, Inhaltsstoffe und Herstellung von Lebensmitteln generell kritischer geworden sind. Besonders interessant ist dabei die Tatsache, dass immer mehr Menschen fleischlose Kost für sich entdecken, die sich selbst grundsätzlich nicht als Vegetarier, geschweige denn Veganer bezeichnen würden. Das bestätigt auch der aktuelle Ernährungsreport 2020 des Bundesernährungsministeriums. Danach bezeichnen sich 55 Prozent der Verbraucher als Flexitarier, die gelegentlich bewusst auf Fleisch verzichten. Der Anteil von Vegetariern (5 Prozent) und Veganern (1 Prozent) ist hingegen in Deutschland unverändert.

„Natürlich sind viele Kunden im Lebensmitteleinzelhandel keine ‚Vollzeit-Veganer bzw. -Vegetarier‘. Wir holen mit unserem Angebot viele Flexitarier ab, deren Zahl kontinuierlich wächst. Am Ende funktionieren alle Produkte, die den Kunden gut schmecken. Das Gefühl, sich selbst, der Umwelt und auch dem Tierschutz etwas Gutes getan zu haben, gibt es automatisch noch als Zugabe“, so Simon Parbs von Bartels-Langness.

Manche Unternehmen verzichten inzwischen ganz bewusst auf die Bezeichnung „vegan“. Mit dem Wort „pflanzlich“ wird ein gesunder und nachhaltiger Lebensstil assoziiert, während für viele Menschen das Wort vegan bis heute einen verbissen aktivistischen Nebengeschmack hat, der mit Verzicht und Dogmatismus verbunden ist. In diesem Zusammenhang belegen Studien3,4, dass Produkte, die als pflanzenbasiert gekennzeichnet waren, generell positiver bewertet wurden als jene, die das Label „vegan“ trugen. Und in US-Restaurants wurden einer anderen Studie zufolge tierfreie Menüs von den Gästen eher ausgewählt, wenn sie nicht als vegan, sondern als „plantbased“ beworben wurden.

Zu einem nachhaltigen Lebensmittel gehört eine stimmige Verpackungsstrategie: „Unsere Weißblechdosen sind besonders gut recyclingfähig. Im Vergleich zu einer Glasverpackung muss weniger Material eingeschmolzen werden, weshalb das Dosenrecycling weniger energieaufwendig ist“, sagt Miriam Szygula. Plant-based Food und die Lebensmitteldose – eine Kombi, die bestens passt. Optimale Voraussetzungen also, dass die Auswahl an rein pflanzlichen Dosengerichten auch in Zukunft weiterwächst und der Verpackungsklassiker somit auch für die „next generation“ dauerhaft sexy bleibt.
Mehr über Alnatura:
www.alnatura.de

Mehr über Vegan Leben:
www.veganleben.de
1 A. T. Kearney, „Neue Fleischalternativen wirbeln die Agrar- und Lebensmittelindustrie durcheinander“, Kearney-Studie zur Zukunft des Fleischmarkts bis 2040, Mai 2019.

2 Statista, „Umsatz mit vegetarischen und veganen Lebensmitteln in Deutschland in den Jahren 2017 bis 2019“, Juli 2020.

3 Vegconomist, „USA: Konsumenten bevorzugen die Bezeichnung ‚plant-based‘ statt ‚vegan‘“, April 2018. 4 Innova Market Insights, „Plant-Based Potential: Vegan Demands Surge, Opens the Door to Future Innovation“, Oktober 2018.
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