Mit einem jährlichen Umsatzplus von rund zehn Prozent zählt E-Commerce auch in Deutschland zu den Boombranchen. Der Online-Handel mit Lebensmitteln muss sich im Vergleich dazu noch mit auffällig kleinen Marktanteilen begnügen. Doch die Akzeptanz beim Konsumenten wächst. Experten prognostizieren deshalb auch für dieses Segment ein großes Wachstumspotenzial. Ein Zukunftsmarkt, in dem die Lebensmitteldose eine wichtige Rolle spielt.

Von Alexander Nebe

 

Auf dem heimischen Sofa mit einem Becher Tee relaxen, dabei per Smartphone oder Laptop durch die Angebotswelten des Internets surfen, bei Gefallen per Mausklick bestellen und sich dann alles bequem nach Hause liefern lassen. Immer mehr Menschen kaufen mittlerweile so ein. Online-Shopping boomt weltweit – und wird auch in Deutschland immer beliebter: Allein zwischen 2012 und 2018 steigerte sich nach Angaben des Handelsverbands Deutschland (HDE) der E-Commerce- Umsatz von 28 auf mehr als 53 Milliarden Euro. Wachstumsraten von jährlich fast zehn Prozent gehören fast schon zum guten Ton. Und auch für die Zukunft sieht die Marktentwicklung mehr als vielversprechend aus.

Umso bemerkenswerter, dass der Online-Lebensmittelhandel im Vergleich dazu eher kleinere Brötchen backen muss. So wurden laut „HDE Online-Monitor 2018“ gerade einmal 1,1 Prozent des Gesamtumsatzes von fast 200 Milliarden Euro online gemacht. Eine verhaltene Entwicklung, die unter anderem mit dem dichten Versorgungsnetz des Lebensmittel-einzelhandels und seinen verbraucherfreundlichen Öffnungszeiten begründet werden kann. Doch die Akzeptanz der Kunden für die Möglichkeit, sich Lebensmittel nach Hause liefern zu lassen, wächst kontinuierlich.

Wie eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers zeigt, planen bereits mehr als 40 Prozent der Deutschen, in den kommenden zwölf Monaten online einzukaufen. 15 Prozent der Befragten gaben an, schon mehr als die Hälfte ihrer Lebensmittel online zu bestellen. Verglichen mit asiatischen Ländern oder Großbritannien sind das zwar eher unterdurchschnittliche Werte – sie belegen aber trotzdem das Wachstumspotenzial des E-Commerce für die Zukunft. Auffällig ist, dass die Verbraucher am liebsten haltbare Lebensmittel im Internet einkaufen. Bei frischen Produkten wie Fleisch, Obst oder Gemüse halten sie sich dagegen auffällig zurück. Zu schwer wiegen Zweifel an der Produktqualität der gelieferten Waren oder die Skepsis, dass empfindliche Frischeprodukte den Transport unbeschadet überstehen. Das Unterbrechen der Kühlkette gerade in besonders heißen Sommern oder Druckstellen am Obst sind da nur zwei Beispiele.

Zuverlässiger Schutz, sicherer Transport

Ein klarer Verkaufsvorteil für Produkte in der Lebensmitteldose. Denn für den Online-Versand ist und bleibt sie das perfekte Verpackungsmittel. Die Lebensmitteldose schützt ihren Inhalt zuverlässig, lässt sich leicht stapeln und ist auch nicht allzu schwer. Die Händler müssen weder beim Transport noch bei der Lagerung auf eine Kühlung achten, was sich im Übrigen auch positiv auf die Energiebilanz auswirkt. Das DosenBistro hat diese Vorteile längst zu einer wichtigen Säule seines Geschäftsmodells gemacht. Das 2008 in Berlin gegründete Unternehmen bietet eine breit gefächerte Genusspalette an – von Komplett- oder Fleischgerichten bis hin zu Suppen, Eintöpfen, Desserts oder gar Vollkorndosenbrot für Camper. Und erfüllt damit ein wachsendes Marktbedürfnis: „Gerade bei Männern der älteren Generation, die keine Lust mehr haben, selbst zu kochen, oder es nie gelernt haben, steigt die Nachfrage deutlich an“, sagt Ralph Hensel, Managing Director Europa von CONVAR Foods, zu dem das DosenBistro gehört.

Auch wenn die Dose selbst bei rustikalem Handling durch Versandunternehmen und Paketboten bruchsicher und stabil bleibt, hat Hensel noch etwas weitergedacht: „Wir haben vor ein paar Jahren TraySure entwickelt – ein spezielles Verpackungssystem aus Karton nur für die Lebensmitteldose. Die Dose wird einfach hineingeklickt und ist vor Beschädigung geschützt. Zusätzliches Verpackungsmaterial ist deshalb nicht nötig“, sagt Ralph Hensel. Heute ist das DosenBistro längst eine Erfolgsgeschichte. CONVAR Foods hat das Unternehmen 2012 übernommen, seitdem verzeichnet es ein jährliches Umsatzwachstum von bis zu 35 Prozent und expandiert dementsprechend stark.

Heiko Langhans

Auch Heiko Langhans, der sich vor rund neun Jahren mit seiner Langhans Suppenmanufaktur erfolgreich selbstständig gemacht hat, setzte in seinem E-Commerce-Konzept von Anfang an auf die Lebensmitteldose als Verpackung. „Suppen in Gläsern mögen für manche Kunden auf den ersten Blick vielleicht noch etwas edler aussehen. Aber beim Transport wäre zu viel Ware zu Bruch gegangen“, sagt der Spitzenkoch, der früher unter anderem in der „Orangerie“ im Maritim Seehotel am Timmendorfer Strand oder auf exklusiven Kreuzfahrtschiffen wie der „MS EUROPA“ arbeitete. Die Lebensmitteldose ist für den Online-Versand in seinen Augen dagegen wesentlich besser geeignet. Sie ist stabil, garantiert zudem eine lange Haltbarkeit des Inhalts und ist allein schon aufgrund ihrer hohen Recycling-Quote ein unter ökologischen Gesichtspunkten optimales Produkt. Ein Selbstläufer ist das E-Commerce-Geschäft mit Lebensmitteln dabei aber nicht. „Gerade bei einem kleinen Unternehmen wie meinem ist es schwer, mit den Großen der Branche mitzuhalten. Und man braucht einen langen Atem“, betont Heiko Langhans. Bei Lebensmitteln sei es schwieriger, von der potenziellen Zielgruppe im riesigen Angebot des Internets tatsächlich entdeckt zu werden. Der Online-Auftritt müsse deshalb dementsprechend gut aufbereitet, für die Kunden leicht zu navigieren sein und mit Extras wie Filmclips zum Verweilen animieren. „Es reicht nicht, die Suppen einfach nur zu präsentieren und dann darauf zu warten, dass jemand bestellt. Immer wieder muss eine neue Suppenvariante kreiert, müssen Angebote präsentiert und muss mit den Kunden interagiert werden“, so der Suppenkoch. Seine selbstgekochten Gourmetsuppen mit illustren Namen wie Kikeribrüh (Hühnerbouillon), Halloween Dream (Kürbiscremesuppe) oder Puszta-Booster (ungarische Gulaschsuppe) verschickt er mittlerweile in ganz Deutschland und nach Österreich.

Das neue Verpackungsgesetz, das seit Anfang des Jahres in Kraft ist, schreckt Hensel und Langhans nicht – schließlich erfüllen Weißblechverpackungen wie die Lebensmitteldose die strengeren Auflagen zum Recycling schon lange. Vorgaben, die erstmals übrigens auch für Online-Händler gelten. „Dazu kommt, dass sich die Lebensmitteldose immer weiterentwickelt. Die Materialien werden stabiler und gleichzeitig dünner. Allein in den vergangenen acht Jahren haben wir so bereits rund zehn Prozent an Transportgewicht einsparen können“, sagt Ralph Hensel vom DosenBistro.

Und wie steht es mit Marktriesen wie Rewe oder Edeka? Diese schreiben mit dem Online-Lebensmittelhandel – trotz hoher Ausgaben für den Ausbau – bislang noch keine schwarzen Zahlen. Dennoch sind sich die Analysten sicher: Die Branche befindet sich „auf der Schwelle“ und wird sich zum Wachstumstreiber dieses Vertriebskanals entwickeln. Platzhirsche stehen allerdings vor der Herausforderung, dass sie die zunehmende Anzahl der Online-Käufer nicht an Markt-Neulinge wie zum Beispiel myTime.de oder AmazonFresh verlieren.

„Kein Mensch kann genau sagen, wie sich der Online-Handel mit Lebensmitteln in den nächsten Jahren entwickelt. Alle zwei Jahre werden sämtliche Prognosen dazu wieder über den Haufen geworfen. Aber er wird wachsen, nur wie schnell und wie stark, das kann keiner sagen“, analysiert der Rewe- Vorstandsvorsitzende Lionel Souque. Eines steht allerdings jetzt schon fest: Beim E-Commerce mit Lebensmitteln wird ein Verpackungsmittel auch zukünftig eine wichtige Rolle spielen – die Weißblechdose.

Verpackungsgesetz

Das am 1. Januar 2019 in Kraft getretene Verpackungsgesetz soll die Kreislaufwirtschaft vorantreiben und den Umweltschutz stärken. Das stellt auch den E-Commerce vor neue Herausforderungen. Die wichtigste Änderung: Online-Händler müssen sich seit Jahresbeginn bei der „Stiftung Zentrale Stelle Verpackungsregister“ registrieren, um ihre verpackten Produkte auf legale Weise in Verkehr bringen zu können. Außerdem müssen ihre E-Commerce-Verpackungen bei einem der dualen Systeme lizenziert werden. Nicht zu vergessen: Das Verpackungsgesetz schreibt ab 2022 für alle Verpackungsarten deutlich höhere Recycling-Quoten vor. Deshalb tun auch Webshop-Betreiber gut daran, sich für eine Verpackung wie die Dose zu entscheiden, die selbst die ambitionierten neuen Quoten einhalten kann.